TSG Hoffenheim
1. Bundesliga
Top-Elf-Prog­no­se: TSG Hoffenheim im Check

Kristian Dordevic

In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf die TSG Hoffenheim. Dabei ist die Aufstellung keineswegs als starres Konstrukt zu verstehen. Trainer Christian Ilzer hat in der vergangenen Saison mehrfach gezeigt, dass er seine Mannschaft flexibel an Gegner und Spielverlauf anpassen kann. Oftmals ließ er sein Team im 4-3-1-2-System mit asymmetrischen Außenverteidigern auflaufen, wechselte gegnerabhängig aber auch mal auf eine Dreierkette.

Unabhängig davon ist die Rückkehr auf die internationale Bühne zu beachten: Die Kraichgauer gehen in der kommenden Spielzeit in der Europa League an den Start. Anders als in der abgelaufenen Saison wird deshalb regelmäßig mit Rotationen zu rechnen sein, was die Verteilung der Einsatzzeiten in der Bundesliga beeinflussen dürfte.

Denn um die Laufintensität der vergangenen Saison aufrechtzuerhalten, ist ein breiterer Kader nötig. Das hat bereits die vergangene Rückrunde gezeigt, in der die TSG – gerade im letzten Saisondrittel – nicht mehr an die zuvor gezeigten Leistungen anknüpfen konnte.

An seiner taktischen Ausrichtung wird Ilzer wohl kaum rütteln. Gemeinsam mit Geschäftsführer Andreas Schicker wurde der Kader inzwischen weitgehend nach den Vorstellungen des Trainers zusammengestellt. Die Planungen sind weit fortgeschritten und die Konturen der möglichen Stammformation entsprechend deutlich erkennbar.

Torwart: Die unumstrittene Identifikationsfigur


Top-Elf: Oliver Baumann (36)
An Baumann führt in Hoffenheim weiterhin kein Weg vorbei. Der Kapitän geht inzwischen in sein 13. Jahr bei der TSG und zählt längst zu den größten Identifikationsfiguren der Vereinsgeschichte. Auch die Nominierung für die Weltmeisterschaft mit Deutschland unterstreicht, welchen Stellenwert er erreicht hat. Sportgeschäftsführer Andreas Schicker brachte diesen bei der jüngsten Vertragsverlängerung auf den Punkt: „Oli ist Kapitän unserer Mannschaft und unumstrittener Führungsspieler. Er überzeugt seit über zehn Jahren mit konstant starken Leistungen für unsere TSG in der Bundesliga und ist damit Rekordspieler dieses Vereins.“ Baumann bleibt damit nicht nur sportlich die Nummer eins, sondern auch ein Gesicht der Mannschaft.

Abwehr: Erfahrung trifft auf spannende Konkurrenzkämpfe


Rechter Außenverteidiger: Vladimír Coufal (33)
Der Tscheche war in der vergangenen Saison eine der konstanten Größen im Hoffenheimer Kader. In sämtlichen Bundesliga-Partien stand Coufal in der Startelf, wurde nur äußerst selten vorzeitig ausgewechselt, und dann fast immer erst kurz vor Schluss. „Vlad bringt enorme Erfahrung mit und gibt unserer Mannschaft auf der rechten Seite viel Stabilität“, erklärte Schicker im Zuge der Vertragsverlängerung im Februar. Besonders seine Professionalität und Mentalität werden intern geschätzt.

Auch Ilzer zeigte sich mehrfach beeindruckt. Besonders in Erinnerung blieb dem Trainer die erste Begegnung mit seinem Außenverteidiger. „Seine erste Frage an mich, als ich ihn persönlich kennengelernt habe, war: Trainer, trauen Sie sich zu, unter den Top Sechs mitzuspielen?“ Diese Haltung habe ihm imponiert. Coufal sei „brutal erfolgsorientiert“ und bringe genau das Profil eines klassischen Verteidigers mit, das Hoffenheim gesucht habe.

Rechter Innenverteidiger: Ozan Kabak (26)
Nach seinem Kreuzbandriss hat sich Kabak eindrucksvoll zurückgekämpft und seinen Status als Leistungsträger schnell untermauert. „Ozan hat in dieser Saison wieder gezeigt, dass er eine zentrale Säule unseres Teams ist“, erklärte Schicker. Besonders seine Zweikampfstärke, seine Wucht und seine Mentalität machen ihn unverzichtbar. Auch Ilzer hob zuletzt hervor, wie wichtig Kabak mittlerweile geworden ist. Neben seinen defensiven Qualitäten sei der türkische Nationalspieler insbesondere bei Standardsituationen eine ständige Gefahr. Nach seiner langen Leidenszeit habe er sich „sehr gut zurückgekämpft“ und sei inzwischen wieder ein ganz wichtiger Faktor.

Linker Innenverteidiger: Albian Hajdari (23)
Hajdari entwickelte sich in seiner ersten Saison bei der TSG in Windeseile zum Leistungsträger. Egal ob im Zentrum oder auf der linken Seite – der Schweizer war nahezu durchgehend gesetzt. „Albian kam unmittelbar nach Saisonbeginn im letzten Sommer zu uns und hat sich in kürzester Zeit zu einem Leistungsträger und einer festen Größe in unserer Mannschaft entwickelt“, erklärte Schicker bei der Vertragsverlängerung im April.

Auch Trainer Ilzer schwärmte: „Albian hat sich über das Jahr super entwickelt. Er hat in diesem Jahr einen Riesenschritt gemacht und ist zu einer tragenden Säule in unserer Hintermannschaft gereift.“ Genau diese Flexibilität, sein starker linker Fuß und seine Mentalität sind nun mehr denn je im Abwehrzentrum gefragt.

Wir planen Hajdari in unserer Top-Elf wieder auf der linken Innenverteidigerposition statt außen ein. Der Grund dafür ist ein personeller Rückschlag: Koki Machida fällt nach seinem Kreuzbandriss nun wegen einer Schambeinentzündung wieder aus. Eine Prognose über die Ausfallzeit ist schwer.

Linker Außenverteidiger: Mats Rots (20) | Alternativen: Bernardo (31), Koki Machida (28)
Machida bleibt einer der bittersten Fälle im Hoffenheimer Kader. Der Japaner wurde ursprünglich als zentrale Säule für die Defensive verpflichtet – noch vor Hajdari, dessen Transfer erst eine Reaktion auf den Ausfall war. Seine Qualitäten konnte Machida aufgrund eines Kreuzbandrisses bislang aber kaum zeigen. Die Hoffnung auf eine beschwerdefreie Vorbereitung zerschlug sich sodann schnell: Nun bremst ihn zusätzlich eine Schambeinentzündung aus, weshalb er in unserer Hierarchie vorerst als Option ins zweite Glied gerückt ist. Das wirkt sich direkt auf das Gefüge in der Abwehrkette aus: Solange Hajdari durch Machidas Ausfall im Zentrum gebunden ist, wird die linke Außenbahn über das Duell zwischen Bernardo und Mats Rots bestimmt.

Dort hat sich der Konkurrenzkampf verschärft. Bernardo gehörte in der vergangenen Saison lange zum Stammpersonal, wirkte zum Saisonende hin aber nicht mehr vollends stabil. Daher hat die TSG im Sommer tief in die Tasche gegriffen: Rots kommt für satte 12 Millionen Euro aus Enschede. Ein Investment dieser Größenordnung tätigt Hoffenheim nicht für einen Ergänzungsspieler. Der junge Niederländer muss das Bundesliga-Niveau erst noch nachweisen, weshalb ein gewisser Anpassungsprozess einzukalkulieren ist. Sollte seine Vorbereitung nicht völlig danebengehen, sehen wir Rots jedoch als Favoriten.

Mittelfeld: Die Schaltzentrale wird neu geordnet


Defensives Mittelfeld: Leon Avdullahu (22)
Avdullahu hat sich endgültig zum Anker im Hoffenheimer Spiel entwickelt. Wie wichtig der Sechser inzwischen ist, wurde insbesondere während seiner verletzungsbedingten Ausfallzeit deutlich. „Leon ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Entwicklung eines jungen Spielers hier bei der TSG aussehen kann“, erklärte Schicker. Der Mittelfeldspieler könne „ein Spiel lesen“ und sei als Stratege „von enormer Wichtigkeit für unser Spiel“. Auch Ilzer sieht in ihm eine Schlüsselfigur: „Leon hat eine enorm starke Saison im Rückspiegel. Er ist zu einer ganz wichtigen Säule gereift.“

Zentrales Mittelfeld: Nathan De Cat (18)
Die TSG Hoffenheim hat mit der Verpflichtung des 18-jährigen Top-Talents Nathan De Cat vom RSC Anderlecht für 17 Millionen Euro ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Da Leon Avdullahu auf der Position im defensiven Mittelfeld gesetzt ist, könnte der Belgier davor als Achter agieren: Während Avdullahu tief den Spielaufbau steuert, kann De Cat um ihn herum für Ballgewinne sorgen und dank seiner Kreativität und Dribbelstärke flexibel in die Achterräume vorstoßen.

Trotz seines jungen Alters dürfte De Cat durch die Dreifachbelastung in der Europa League sofort eine wichtige Rolle einnehmen. Der Belgier bringt dabei ein Profil mit, das sehr gut zum intensiven und vertikalen Fußball unter Ilzer passt.

Zentrales Mittelfeld: Wouter Burger (25)
Burger gehörte in der vergangenen Saison zum festen Stamm der Mannschaft und zahlte das Vertrauen eindrucksvoll zurück. Sechs Tore und neun Vorlagen in 32 Pflichtspielen sprechen eine klare Sprache. Ilzer lobt insbesondere seine Rolle innerhalb der Mannschaft: „Er hat als Person einen extrem wichtigen Part in der Gruppe eingenommen. Er ist einfach ein super Teamplayer.“ Der Niederländer verbindet die Mannschaftsteile miteinander, übernimmt Verantwortung und sorgt für Struktur im Spiel der Kraichgauer.

Auch langfristig setzen die Hoffenheimer auf Burger: Der Mittelfeldspieler hat seinen Vertrag bei der TSG inzwischen verlängert. Seine Bedeutung für die Mannschaft dürfte damit auch in der kommenden Saison groß bleiben.

Offensives Mittelfeld: Andrej Kramarić (35) | Alternative: Patrick Wimmer (25)
Auch im höheren Fußballalter bleibt Kramarić die personifizierte Torgefahr in Hoffenheim. 15 Tore und sieben Vorlagen in 36 Pflichtspielen unterstreichen seinen enormen Wert. „Seit seiner Ankunft vor mehr als zehn Jahren ist er eine zentrale Stütze des sportlichen Erfolgs und absoluter Führungsspieler“, erklärte Schicker bei der kürzlichen Vertragsverlängerung. Für Ilzer verkörpert der Kroate weit mehr als nur sportliche Qualität. „Er hat gezeigt, dass so eine Zeit und so eine Statistik nicht nur auf Begabung beruht, sondern auf höchster Professionalität, die er Tag für Tag vorlebt.“ Kramarić bleibt damit sowohl sportlich als auch menschlich vorerst ein Maßstab innerhalb des Vereins.

Aber: Er wird nicht jünger, feierte bereits seinen 35. Geburtstag. Irgendwann kommt unausweichlich der Punkt, an dem die Einsatzzeit abnimmt. Kramarić absolvierte bereits in der abgelaufenen Saison nicht alle Spiele und wird bei der Mehrfachbelastung erst recht wettbewerbsübergreifend immer mal auf der Bank landen. Zudem hat er sich im Sommer einer Leistenoperation unterzogen.

Mit Patrick Wimmer steht Ilzer dafür eine äußerst flexible Alternative zur Verfügung. Der Österreicher kann mehrere offensive Rollen übernehmen und bietet sich mit seiner intensiven Spielweise auch hinter den Spitzen an. Damit dürfte er im Saisonverlauf immer wieder für Kramarić in die Mannschaft rücken.

Angriff: Asllani ist plötzlich wieder da


Stürmer: Tim Lemperle (24) | Alternativen: Adam Daghim (20), Patrick Wimmer (25)
Lemperle gehört zu den Spielern, deren Bedeutung weit über Tore hinausgeht. Obwohl seine Trefferquote in den letzten Saisonwochen etwas nachließ, stand er vor der Sommerpause achtmal in Folge in der Startelf. „Tim war vom ersten Tag an ein wichtiges Puzzleteil unserer sportlichen Entwicklung“, konstatierte Schicker einst. Seine Intensität gegen den Ball und sein Tiefgang würden perfekt zur Hoffenheimer Spielidee passen. Auch Ilzer bezeichnete sein Profil als „essenziell für unser Spiel“. Besonders gegen tiefe Blöcke hat der Coach Lemperle, der zwischenzeitlich verletzt fehlte, vermisst.

Update: Die Konkurrenzsituation gestaltet sich durch den Verbleib von Leistungsträger Fisnik Asllani aber schärfer, als zuletzt gedacht. Mit Wimmer besitzt Hoffenheim auch hier im Sturm eine prominente Alternative. Der Österreicher kennt die Bundesliga bestens, ist in verschiedenen Rollen einsetzbar und wurde ausdrücklich für seine intensive Spielweise verpflichtet. Darüber hinaus ist Neuzugang Adam Daghim, quasi der Ersatz für Bazoumana Touré, sowohl in der Spitze als auch auf dem Flügel denkbar. Aufgrund der Belastung durch Bundesliga und Europa League dürfte die Verteilung der Einsatzzeiten ohnehin immer wieder variieren.

Stürmer: Fisnik Asllani (23)
Update: Bei kaum einem Spieler hat sich die Ausgangslage innerhalb kürzester Zeit so grundlegend verändert wie bei Fisnik Asllani. Der Angreifer stand unmittelbar vor einem Wechsel zu RB Leipzig. Der Transfer war bereits weitgehend finalisiert, ehe sich Leipzig nach dem Medizincheck dazu entschied, von einer Verpflichtung des Kosovaren Abstand zu nehmen. Asllani kehrt deshalb zur TSG zurück, wo die aufgekommenen medizinischen Bedenken nicht als problematisch angesehen werden.

Damit verändert sich auch unsere Top-Elf-Prognose entscheidend. Nach seinem endgültigen Durchbruch in der vergangenen Bundesliga-Saison, in der er mit zehn Toren und sieben Vorlagen maßgeblichen Anteil am Erreichen der Europa League hatte, wäre Asllani ohne die Wechselthematik ohnehin ein klarer Kandidat für die Startformation gewesen. Genau dort sehen wir ihn nach dem geplatzten Leipzig-Transfer nun wieder. Im Moment gibt es keine Anzeichen dafür, dass ein anderer Verein bei Asllani in die Offensive geht, sodass wir bei ihm auf Alternativen verzichten.

Fazit


Die TSG Hoffenheim geht mit einer spannenden Mischung aus Kontinuität und Veränderung in die neue Saison. Während die Achse um Baumann, Kabak, Avdullahu und Kramarić weiterhin das Fundament bildet, hat Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker die Kaderplanung inzwischen weit vorangetrieben.

In der Defensive sorgt der erneute Rückschlag bei Koki Machida für eine klare Aufgabenverteilung: Da der Japaner nach seinem Kreuzbandriss nun auch wegen einer Schambeinentzündung ausfällt und die bisherige Saisonvorbereitung verpasst hat, wird Albian Hajdari im Abwehrzentrum als linkes Innenverteidiger-Pendant zu Ozan Kabak gebraucht. Auf der linken Außenbahn sehen wir den 12-Millionen-Euro-Neuzugang Mats Rots inzwischen vor Bernardo. Sollte es Machida schaffen, sich nach seiner Genesung relativ schnell doch fürs Zentrum aufzudrängen, besitzt Hajdari die Flexibilität, wieder nach links außen zu rücken.

Auch im Mittelfeld sind die Rollen inzwischen deutlich erkennbar. Leon Avdullahu bildet den defensiven Anker, davor trauen wir Top-Talent Nathan De Cat direkt den Sprung in die Top-Elf zu. Wouter Burger bleibt nach seiner Vertragsverlängerung ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Patrick Wimmer gibt Ilzer darüber hinaus eine flexible Option für verschiedene offensive Rollen.

Die größte Veränderung ergibt sich im Angriff. War zuletzt noch davon auszugehen, dass Hoffenheim nach einem Asllani-Abgang einen neuen Stürmer für die Startelf benötigt, ist der Kosovare nach seinem gescheiterten Wechsel zu RB Leipzig plötzlich wieder ein zentraler Bestandteil der Planungen. Neben Tim Lemperle bildet er damit in unserer Prognose das Sturmduo. Dahinter stehen mit Daghim oder Wimmer mehrere hochwertige und unterschiedlich einsetzbare Optionen bereit. Sollte er dauerhaft fit bleiben, kann auch Adam Hložek wieder eine stärkere Rolle spielen.

Insgesamt sind die Kaderplanungen der TSG damit bereits weit fortgeschritten. Die Top-Elf besitzt inzwischen klare Konturen, gleichzeitig verfügt Ilzer angesichts der zusätzlichen Belastung in der Europa League über genügend Variabilität, um regelmäßig zu rotieren. Die wichtigste Aufgabe wird sein, die Balance zwischen Bundesliga und internationalem Wettbewerb zu finden. Gelingt das, besitzt Hoffenheim das Potenzial, erneut eine starke Rolle im Kampf um die internationalen Plätze zu spielen.

Wir freuen uns über eure Unterstützung


Zum Schluss gilt wie immer: Unsere Top-Elf-Prognosen verstehen wir nicht als starres Endprodukt, sondern als Grundlage für die Diskussion mit euch. Eure Meinungen, Argumente und Einschätzungen fließen regelmäßig in unsere Bewertungen ein und helfen uns dabei, die Entwicklungen rund um die Bundesliga-Klubs noch besser einzuordnen.

Deshalb seid jetzt ihr gefragt: Wie seht ihr die Hoffenheimer Top-Elf? Traut ihr Top-Talent Nathan De Cat auf der Achterposition direkt eine tragende Rolle zu? Und wie bewertet ihr die neue Situation um Fisnik Asllani nach dessen geplatztem Wechsel zu RB Leipzig? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!

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