In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf Eintracht Frankfurt. Mit der Rückkehr von Adi Hütter beginnt bei den Hessen ein neues Kapitel. Der Österreicher übernimmt eine Mannschaft, die im Vergleich zum Vorjahr vor einem größeren Umbruch steht. Mit Nathaniel Brown ist ein Leistungsträger bereits zum FC Bayern München gewechselt, Aurèle Amenda zog es in die Premier League und auch auf weiteren Positionen könnte sich bis zum Ende des Transferfensters noch einiges verändern. Gleichzeitig arbeitet die sportliche Führung daran, den Kader gezielt an die intensive Spielidee Hütters anzupassen.
Entsprechend verstehen wir diese Prognose als Momentaufnahme. Zwar besitzt Frankfurt weiterhin ein starkes Grundgerüst, auf mehreren Schlüsselpositionen rechnen wir jedoch noch mit Verstärkungen für die erste Elf. Wie sieht also Stand heute die stärkste Frankfurter Mannschaft aus, die in einem Topspiel auf dem Platz stehen dürfte?
In Sachen Grundordnung haben sich mittlerweile recht deutliche Erkenntnisse ergeben. Hütter erwähnte explizit, dass er bei seinem aktuell praktizierten Fußball gerne von einem 4-2-2-2 spricht, wobei es keine Versteifung darauf geben soll und das Ganze auch mal nach einem 4-2-3-1 aussehen kann – je nachdem, wie sich zum Beispiel einer der Stürmer situationsbedingt auf dem Feld verhält. Die Testspiele untermauern bisher, dass es auf ein 4-2-2-2 hinausläuft, sodass wir unsere Elf danach ausrichten.
Torwart: Kein Vertrauen in Santos?
Top-Elf: Neuzugang | Alternative: Kauã Santos (23)
Update: Zwei längere Verletzungspausen verhinderten, dass Kauã Santos den nächsten Entwicklungsschritt gehen konnte. Zum Ende der Vorbereitung scheint Hütter nun von ihm als Nummer eins abgerückt zu sein. Stattdessen bemüht die SGE sich mittlerweile um Noah Atubolu.
Die Anlagen des Brasilianers sind nach wie vor außergewöhnlich. Reflexe, Strafraumbeherrschung und Reichweite gehören zu den größten Stärken des 23-Jährigen. Bereits in der Saison 2024/25 deutete Santos mehrfach an, welches Niveau langfristig in ihm steckt, sofern er nun verletzungsfrei bleibt.
Michael Zetterer will sich angeblich trotz drohender Rolle als Nummer zwei oder sogar drei nicht verabschieden. Damit wäre er seinerseits zumindest als ständige Bedrohung für den Posten im Tor präsent, wenn auch nicht aus der Favoritenrolle heraus.
Abwehr: Hütters Pressing verlangt neue Profile
Rechter Außenverteidiger: Elias Baum (20) | Alternativen: Neuzugang, Arthur Theate (26)
Auf dieser Position ist momentan Elias Baum in aller Munde. Ein schlagkräftiger Neuzugang lässt auf sich warten, während Baum weiter Pluspunkte sammelt und zunehmend den Eindruck hinterlässt, seine Chance nutzen zu können. Zudem genießen andere Planstellen, vor allem die im Sturm, anscheinend gerade den Vorzug vor einem möglichen neuen Rechtsverteidiger. Gute Voraussetzungen für Baum, seinen Platz hinten rechts zu festigen. Er ist in der Top-Elf Option Nummer eins.
Nnamdi Collins muss zusätzlich im Hinterkopf behalten werden. Auch er könnte eine gute Option für den rechten Außenposten sein. Das wird auch von den weiteren Defensivplanungen abhängen. Arthur Theate bleibt beispielsweise grundsätzlich ein Anwärter für die linke Position im Abwehrzentrum, sodass Collins dann verstärkt als Rechtsverteidiger in Betracht käme und zentral weniger Bedarf für ihn wäre. Theate wird aber regelmäßig mit einem Wechsel in Verbindung gebracht und gilt als einer der möglichen Verkaufskandidaten.
Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass Frankfurt personell nachlegt (vielleicht sogar bei einem Verbleib des Belgiers). Medial heißt es, dass nach Talent Otávio noch ein gestandener Innenverteidiger kommen soll. Möglicherweise bringt der direkt Stammelfpotenzial im Abwehrzentrum mit, was hinsichtlich Collins ebenso eine stärkere Fokussierung auf die rechte Außenposition mit sich bringen könnte.
Rechter Innenverteidiger: Robin Koch (30)
Robin Koch bleibt der unumstrittene Abwehrchef der Eintracht. Die vergangene Saison verlief für die komplette Defensive enttäuschend. 91 Gegentore in 44 Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache. Dennoch sollte dabei nicht vergessen werden, dass die Probleme weniger an einzelnen Spielern als vielmehr am gesamten Defensivverbund lagen.
Gerade deshalb dürfte Koch unter Hütter noch wichtiger werden. Der Nationalspieler bringt Führungsqualität, Erfahrung und Ruhe mit und soll die neu formierte Defensive organisieren. Nach den zahlreichen personellen Veränderungen wird seine Rolle innerhalb der Mannschaft weiter an Bedeutung gewinnen.
Linker Innenverteidiger: Nnamdi Collins (22)
Kaum ein Frankfurter Spieler bringt aktuell ein passenderes Profil für Adi Hütters Fußball mit als Nnamdi Collins. Der ehemalige Dortmunder verfügt über enorme Dynamik, verteidigt aggressiv nach vorne und besitzt die Geschwindigkeit, große Räume hinter der Abwehr wieder zu schließen. Gerade im sogenannten Vorverteidigen zählt Collins zu den spannendsten Innenverteidigern der Bundesliga. Seine Antizipation sowie seine Fähigkeit, früh Druck auf gegnerische Angreifer auszuüben, könnten unter Hütter noch einmal deutlich stärker zur Geltung kommen.
Zwar umschwirren auch Collins Wechselgerüchte, aktuell spricht jedoch mehr für einen Verbleib. Nach dem bereits vollzogenen Abschied von Rasmus Kristensen und dem Verkauf von Aurèle Amenda wäre ein weiterer Verlust in der Defensive ohnehin nur schwer aufzufangen. Wie oben ausgeführt, könnte sich je nach weiterer Abwehrplanung der SGE für Collins (punktuell) eine Verschiebung auf die Rechtsverteidigerposition ergeben.
Linker Außenverteidiger: Neuzugang | Alternativen: Keita Kosugi (20), Arthur Theate (26)
Auch hier ist Vorsicht geboten. Ähnlich wie für Baum gibt es auch für Keita Kosugi unter Coach Hütter einen Neuanlauf in Frankfurt. Die ersten Auftritte stimmen positiv, dürfen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht überbewertet werden. Auf Bundesliga-Ebene durfte sich der Winter-Neuzugang schließlich noch gar nicht zeigen. Nach dem Abgang von Nathaniel Brown zum FC Bayern München ist ein Neuzugang mit Startelfqualität denkbar.
Mit Brown hat Eintracht Frankfurt den unumstrittenen Stammspieler auf der linken Seite verloren. Der Nationalspieler hinterlässt sportlich eine große Lücke. Seine Dynamik, Laufstärke und Intensität lassen sich intern kaum auffangen. Entsprechend spricht einiges dafür, dass die Eintracht auf dieser Position noch nachlegen wird, um die entstandene Vakanz adäquat zu schließen. Deshalb rechnen wir mit einem neuen Stammspieler.
Ein solcher war in Frankfurt lange Zeit Theate. Sein sportliches Standing scheint gelitten zu haben, er gilt als Abschiedskandidat. Aus dem schon vorhandenen Kader wäre der sowohl zentral als auch außen einsetzbare Verteidiger jedoch eine bewährte, defensivere Option für hinten links.
Mittelfeld: Mehr Tempo und Stabilität gefragt
Defensives Mittelfeld: Raphael Onyedika (25) | Alternative: Hugo Larsson (22)
Seit mehreren Transferperioden suchte Frankfurt nach einem echten Sechser. Auch in diesem Sommer besaß diese Baustelle oberste Priorität, denn gerade unter Adi Hütter wird die Bedeutung dieser Position noch einmal größer. Seine Mannschaften leben von aggressivem Pressing, hohen Ballgewinnen und intensiven Läufen gegen den Ball. Damit dieses System dauerhaft funktioniert, benötigt die Eintracht einen defensiv starken Strategen, der Räume absichert, Pressingresistenz mitbringt und gleichzeitig den Spielaufbau organisiert.
Die externe Verpflichtung für diese Schlüsselrolle ist mit Raphael Onyedika nun an Bord. Nach Stationen in der nigerianischen Heimat, Dänemark und Belgien hat er nun die Herausforderung Bundesliga zu bewältigen. Sofern große Anpassungsprobleme ausbleiben, wird er der neue starke Sechser der Eintracht.
Hugo Larsson bleibt unabhängig davon ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Mittelfelds. Der Schwede verfügt über hervorragendes Raumgefühl und bringt Qualitäten in beide Spielrichtungen mit. Gleichzeitig hält sich hartnäckig das Interesse anderer Klubs. Selbst bei einem Verbleib sehen wir ihn aktuell jedoch eher als Partner beziehungsweise Alternative neben einem klassischen Sechser.
Zentrales Mittelfeld: Noël Aséko (20) | Alternative: Oscar Højlund (21)
Die Eintracht hat sich die Dienste des veranlagten Noël Aséko (20, FC Bayern München) gesichert. Die kolportierte Ablöse von 12 Millionen Euro unterstreicht, dass dem in der vergangenen Saison bei Hannover 96 überzeugenden Youngster zugetraut wird, den nächsten Schritt zu machen und eine Rolle zu spielen.
Mit Oscar Højlund ist unterdessen schon ein Spieler im Kader, der viel mitbringt, was Hütter von einem Achter verlangt. Der Däne überzeugt durch enorme Laufstärke, Intensität gegen den Ball und seine Bereitschaft, permanent ins Pressing zu schieben. Gleichzeitig entwickelt sich auch sein Spiel mit Ball kontinuierlich weiter. Neben einem defensiv orientierten Sechser könnte Højlund seine Stärken optimal einbringen.
Offensives Mittelfeld (rechts): Ritsu Dōan (28) | Alternative: Ayoube Amaimouni (21)
Die rechte Offensivposition verspricht einen der spannendsten Konkurrenzkämpfe innerhalb des Frankfurter Kaders. Ritsu Dōan blieb in seiner ersten Saison hinter den hohen Erwartungen zurück, besitzt aber weiterhin enorme Qualitäten. Besonders seine Laufbereitschaft gegen den Ball und seine Erfahrung sprechen aktuell leicht für ihn.
Direkt dahinter lauert allerdings Ayoube Amaimouni. Der junge Marokkaner entwickelte sich in kürzester Zeit vom Perspektivspieler zum Nationalspieler und überzeugte regelmäßig mit Tempo, Dribblings und mutigen Eins-gegen-eins-Aktionen. Aktuell sehen wir Dōan aufgrund seiner Erfahrung noch knapp vorne. Der Abstand dürfte jedoch deutlich kleiner sein als noch vor einigen Monaten.
Offensives Mittelfeld (links): Can Uzun (20)
Can Uzun könnte auch in der kommenden Saison eine Schlüsselrolle im Frankfurter Offensivspiel einnehmen. Der türkische Nationalspieler überzeugte bereits letzte Saison mit außergewöhnlicher Spielintelligenz, hoher Abschlussqualität und der Fähigkeit, zwischen den Linien immer wieder gefährliche Räume zu finden. Gerade im offensiven Halbraum dürfte er unter Adi Hütter eine zentrale Rolle einnehmen.
Ganz ohne Fragezeichen geht Frankfurt allerdings nicht in die neue Saison. Rund um Uzun halten sich seit Wochen Wechselgerüchte. Vor allem der Galatasaray SK soll den 20-Jährigen intensiv beobachten. Nach aktuellem Stand wollen die Hessen ihren Offensivspieler jedoch unbedingt halten und sollen erst bei einer Ablösesumme im Bereich von rund 60 Millionen Euro gesprächsbereit sein. Es macht außerdem nicht den Anschein, dass im Hinblick auf einen möglichen Abschied derzeit Bewegung drin ist.
Dennoch bleibt die Personalie aufmerksam zu verfolgen. Sollte Uzun den Verein wider Erwarten doch noch verlassen, müsste Frankfurt auf dieser Position zwingend nachlegen. Einer der Namen, die aktuell gehandelt werden, ist Louey Ben Farhat vom Karlsruher SC. Das Offensivtalent bringt viel Kreativität, Dribbelstärke und Dynamik mit und könnte langfristig genau jene Halbraumrolle übernehmen, die Uzun aktuell ausfüllt. Noch handelt es sich dabei allerdings lediglich um eine interessante Option für die Zukunft.
Angriff: Burkardt ist der Fixpunkt
Sturm: Jonathan Burkardt (26)
An Jonathan Burkardt führt aus unserer Sicht aktuell kein Weg vorbei. Der 26-Jährige bringt genau das Profil mit, das Adi Hütter für seine vorderste Position bevorzugt. Burkardt arbeitet intensiv gegen den Ball, läuft permanent an, attackiert Innenverteidiger früh und verbindet diese enorme Laufbereitschaft gleichzeitig mit hoher Abschlussqualität im Strafraum.
Auch spielerisch passt der Angreifer hervorragend ins Frankfurter System. Er lässt sich immer wieder geschickt fallen, öffnet Räume für seine Mitspieler und kann dadurch sowohl selbst abschließen als auch Angriffe vorbereiten. Bleibt Burkardt verletzungsfrei, dürfte er sich schnell zum neuen Fixpunkt der Frankfurter Offensive entwickeln.
Mit Malik Pimpong verpflichtete die Eintracht darüber hinaus ein weiteres spannendes Offensivtalent. Der 18-Jährige bringt großes Entwicklungspotenzial für die Flügel- und Sturmpositionen mit, dürfte aufgrund seines Alters und seiner noch geringen Erfahrung aber zunächst behutsam an den Profikader herangeführt werden.
Sturm: Neuzugang | Alternative: Younes Ebnoutalib (22)
Auch neben Jonathan Burkardt rechnen wir mit einer Veränderung. Im Fokus steht dabei weiterhin Arnaud Kalimuendo. Der Franzose soll intern bereits klar signalisiert haben, seine Zukunft dauerhaft in Frankfurt zu sehen. Demnach sind sich die Eintracht und die Spielerseite bereits seit geraumer Zeit über die Rahmenbedingungen eines langfristigen Vertrags bis 2031 einig. Auch Adi Hütter soll vom Profil des Angreifers überzeugt sein.
Offen bleibt allerdings weiterhin die Einigung zwischen den Vereinen. Der Nottingham Forest FC fordert aktuell noch eine höhere Ablösesumme, während Frankfurt auf weiteres Entgegenkommen hofft. Die geplanten Verkäufe von Elye Wahi und Noel Futkeu könnten zusätzliche finanzielle Mittel freisetzen und einen festen Transfer ermöglichen. Sollte Kalimuendo verpflichtet werden, sehen wir ihn aufgrund seines Tempos, seiner Tiefenläufe und seiner Flexibilität als ideale Option.
Des Weiteren wäre Ben Farhat, sofern er verpflichtet wird, auch für diese Position eine vielversprechende Überlegung. Aus dem SGE-Kader ist ansonsten Younes Ebnoutalib nicht zu vergessen, der mit vielen Vorschusslorbeeren nach Frankfurt gewechselt war. Nach starkem Debüt, inklusive Tor, warf ihn eine Knieverletzung für längere Zeit zurück. Jetzt muss sich zeigen, ob er wieder der Alte ist.
Jean-Mattéo Bahoya (21) und Ansgar Knauff (24) bleiben dahinter äußerst spannende Alternativen. Sie besitzen enormes Tempo und der junge (und möglicherweise auch umworbene) Bahoya darüber hinaus noch großes Entwicklungspotenzial. Gerade bei der hohen Belastung durch mehrere Wettbewerbe dürften sie weiterhin auf Einsatzminuten kommen und den Konkurrenzkampf zusätzlich beleben. Benötigt Hütter im Sturm einen Flitzer, wird er besonders an die zwei Profis denken – ob von Beginn an oder als starke Joker.
Fazit
Kaum ein Bundesligist befindet sich in einem größeren personellen Umbruch als Eintracht Frankfurt. Nathaniel Brown, Rasmus Kristensen und Aurèle Amenda haben den Verein bereits verlassen. Gleichzeitig könnten weitere Leistungsträger wie Arthur Theate, Hugo Larsson, Can Uzun oder Jean-Mattéo Bahoya im Laufe des Sommers noch zum Thema werden.
Auf mehreren Positionen rechnen wir deshalb weiterhin mit Veränderungen in der ersten Elf. Besonders auf den Positionen in der Verteidigung sowie auf der Sechserposition herrscht(e) klares Verstärkungspotenzial. Die bereits verpflichteten Spieler müssen nun zeigen, dass sie weiterhelfen.
Dennoch verfügt die Eintracht bereits jetzt über ein starkes Gerüst. Robin Koch soll die Defensive anführen, Nnamdi Collins könnte unter Adi Hütter endgültig den nächsten Entwicklungsschritt gehen und Oscar Højlund bringt genau die Intensität mit, die der neue Trainer im Zentrum verlangt. Offensiv ruhen große Hoffnungen auf Can Uzun und Jonathan Burkardt, während ein möglicher Verbleib von Leihspieler Arnaud Kalimuendo der Offensive zusätzliche Qualität verleihen würde.
Entscheidend wird letztlich sein, wie erfolgreich Frankfurt die weiteren Baustellen auf dem Transfermarkt schließt. Gelingt es der sportlichen Führung, die erwarteten Verkaufserlöse gezielt zu reinvestieren und den Kader konsequent an Hütters intensive Spielidee anzupassen, besitzt die Eintracht trotz des Umbruchs das Potenzial, erneut ganz oben in der Bundesliga anzugreifen.
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