Borussia Mönchengladbach
1. Bundesliga
Top-Elf-Prog­no­se: Gladbach im Check

Bennet Stark

In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf Borussia Mönchengladbach. Am Niederrhein steht nach einer komplizierten und enttäuschenden Spielzeit ein echter Kulturwandel an, bei dem die Vereinsführung um Sport-Geschäftsführer Rouven Schröder ein klares Zeichen setzt: Ein einfaches „Weiter so“ wird es nicht geben.

Obwohl Trainer Eugen Polanski im Amt bestätigt wurde und das Vertrauen erhält, geht die Borussia ins Risiko und bricht mit jener taktischen Ausrichtung, die das Bild der jüngeren Vergangenheit prägte. Die Fünfer- bzw. Dreierkette wird eingemottet. Stattdessen verordnet das Trainerteam die Rückkehr zu einer mutigeren Marschroute. Im Zentrum der neuen Philosophie steht eine Viererkette als Hauptordnung, die im 4-3-3 oder 4-2-3-1 die traditionelle Gladbach-DNA mit offensivem Ballbesitzfußball wiederbeleben soll.

Die sportliche Führung muss den Spagat meistern, die defensive Anfälligkeit der Vorsaison abzustellen und den Fans gleichzeitig attraktiveren Fußball bieten. Dabei gilt es ebenso junge Talente einzubauen wie die Leistungsträger in ihre beste Position zu bringen.

Torwart: Nicolas-Verbleib deutet sich an


Top-Elf: Moritz Nicolas (28)
Nicolas wurde nach einer starken Spielzeit völlig zu Recht zum Gladbacher „Spieler der Saison“ gewählt. Allerdings: Für den Fall eines lukrativen Angebots wäre ein Abschied des Schlussmanns denkbar. Sollte dieses (sich aktuell nicht abzeichnende) Szenario eintreten, müsste Schröder auf dem Transfermarkt wohl eine neue Nummer eins nachlegen. Daniel Batz hingegen, der in der vergangenen Rückrunde als eingesprungener Backup in Mainz gute Leistungen zeigte, ist eher für die Rolle des verlässlichen Stellvertreters eingeplant. Da sich hinsichtlich eines Abgangs in den vergangenen Wochen nichts Konkretes abgezeichnet hat, setzen wir Nicolas alternativlos.

Abwehr: Frischer Wind auf den Außenbahnen


Rechter Außenverteidiger: Yukhym Konoplya (26) | Alternative: Daiki Hashioka (27)
Im Duell um die rechte Abwehrseite hat Neuzugang Yukhym Konoplya (von Shakhtar Donetsk gekommen) die Nase vorn, auch wenn er den Saisonstart verletzungsbedingt verpassen könnte. Während Joe Scally – dessen Vertrag 2027 ausläuft und bei dem ein Sommer-Wechsel im Raum steht – eher als offensiv limitierter Rechtsverteidiger gilt, bringt der Ukrainer ein völlig anderes Profil mit. Konoplya ist extrem umtriebig im Angriffsspiel, schlägt präzise Flanken und sorgt über kreierte Großchancen und eigene Torabschlüsse für echten Offensiv-Mehrwert. Genau diese spielerische Komponente fehlte Gladbach rechts zuletzt komplett. Im Gegenzug bringt sein risikofreudiger Stil allerdings auch eine höhere defensive Anfälligkeit mit sich – gerade bei der Quote gewonnener Defensivduelle besitzt er definitiv noch Entwicklungspotenzial.

Doch im neuen, mutigeren System von Polanski ist er der logische Impulsgeber. Durch die Leihe von Daiki Hashioka ist Gladbach in der Kaderplanung auf dieser Position bereits abgesichert. Der Japaner könnte sich während Konoplyas Abwesenheit in den Vordergrund spielen.

Rechter Innenverteidiger: Neuzugang
Update: Sportlich ist Nico Elvedi kaum zu ersetzen. Der Schweizer und langjährige Abwehrchef hat sich gegen eine Vertragsverlängerung und für einen Wechsel nach England entschieden. Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit durch Kō Itakura ersetzt, dessen Rückkehr an den Niederrhein kurzfristig offiziell verkündet werden könnte.

Linker Innenverteidiger: Kevin Diks (29)
Der Allrounder kann in der neuen Viererkette theoretisch jede Position bekleiden, ist für die kommende Saison aber primär im Abwehrzentrum eingeplant. Diks bringt genau die risikofreudige Mentalität mit, die Polanski im Spielaufbau sehen will: Er hat große Lust, das Spiel nach vorne aktiv mitzugestalten. Wenn er jetzt noch seine kleinen Schwächen beim aggressiven Rausverteidigen abstellt, könnte er ganz schnell zu einer prägenden Figur im neuen Gladbacher Defensiv-Konstrukt werden.

Linker Außenverteidiger: David Herold (23) | Alternative: Lukas Ullrich (22)
Genau wie Konoplya auf rechts ist auch der vom KSC verpflichtete Herold ein echter Antreiber. Beim Zweitligisten gehörte Herold zu den absoluten Top-Läufern der Liga, schlägt gefährliche Standards und starke Flanken. Der 23-Jährige kann Vierer- wie Fünferkette ohne Qualitätsverlust spielen.

Auch wenn er im neuen System womöglich etwas Anlaufzeit benötigt, sehen wir ihn im Duell aktuell vor Lukas Ullrich, der die Erwartungen bislang noch nicht erfüllen konnte. In der Vorbereitung macht der 22-Jährige aber einen guten Eindruck, sodass sich auf dieser Position ein enges Duell anbahnt.

Mittelfeld: Die neue Schaltzentrale


Defensives Mittelfeld (links): Enzo Leopold (26)
Mit Leopold hat sich die Borussia den umworbenen Kapitän von Hannover 96 geangelt. Der 26-Jährige bringt als relativ kompletter Spieler genau das Element mit, das den Fohlen im Vorjahr so schmerzhaft abging: Er fungiert als Verbindungsglied zwischen Abwehr und Angriff, scheut keinen Meter im Laufspiel und glänzt mit seiner Passsicherheit. Auch bei Standards schlägt sich Leopold gut. Je nach gewählter Formation (als tiefer Spielmacher auf der Sechs oder Antreiber auf der Acht) wird Leopold wahrscheinlich ein neuer Fixpunkt im Zentrum sein.

Update: Es deutet sich an, dass zum Saisonstart Kevin Stöger neben Sander im Mittelfeldzentrum spielen könnte. Der Österreicher tritt gefährliche Standards und ist auch aus dem Spiel heraus für kreative Aktionen gut. Allerdings vermisst Polanski die Konstanz in seinen Aktionen. Stöger konnte sich bei der Borussia bislang nicht dauerhaft fest spielen, weshalb wir ihn in der Top-Elf außen vor lassen.

Defensives Mittelfeld (rechts): Philipp Sander (28)
Sander agierte in der Vorsaison häufig noch in der Dreierkette, könnte aufgrund der Systemumstellung jetzt aber seinen Platz im zentralen Mittelfeld finden. Sander besitzt ein exzellentes Raumgefühl, organisiert die Absicherung gegen den Ball und antizipiert gegnerische Passwege hervorragend.

Mit der Verpflichtung von Zento Uno erhält Trainer Eugen Polanski genau die physische Kante auf der Sechs, die dem Gladbacher Mittelfeld im Vorjahr so schmerzhaft fehlte. Der 22-jährige Japaner gilt als massiver Abräumer und kompromissloser Zerstörer gegen den Ball, wird jedoch nach seinem Wechsel aus Fernost definitiv eine gewisse Akklimatisierungszeit benötigen.

Offensives Mittelfeld: Hugo Bolin (23) | Alternative: Franck Honorat (30)
In der Vorbereitung konnte sich Hugo Bolin als Zehner empfehlen. In der vergangenen Saison lief er vor allem auf dem Flügel auf. Nach seiner Leihe im Winter verpflichtete ihn die Borussia erst in diesem Sommer fest. Franck Honorat ist ein klarer Rechtsaußen-Spieler, sodass Hack oder Mohya die zentrale Position einnehmen müssten, sollte Bolin einmal nicht auflaufen.

Jens Castrop musste im vergangenen Jahr unter Polanski mangels Kader-Alternativen oft auf den Außenbahnen aushelfen. Auf seiner absoluten Idealposition im zentralen Mittelfeld sollte der 23-Jährige eigentlich als Rocco-Reitz-Nachfolger aufgebaut werden. Nun hat er sich aber schwer an der Schulter verletzt und wird lange ausfallen, sodass wir ihn in der Top-Elf vorerst nicht berücksichtigen.

Angriff: Spektakel über die Flügel?


Rechter Flügel: Wael Mohya (17) | Alternative: Franck Honorat (30)
Das 17-jährige Fohlen-Juwel ist der absolute Shootingstar am Niederrhein. Nachdem er im zweiten Saisonteil bereits sechs Startelfeinsätze verbuchen durfte, muss Gladbach im neuen Jahr schon aus wirtschaftlichen Gründen voll auf den hochveranlagten Youngster setzen. Seine Entwicklung darf keinesfalls blockiert werden, weshalb er bei uns den Vorzug auf dem rechten Flügel erhält. Das liegt auch daran, dass Honorat nach einer enttäuschenden Saison als Verkaufskandidat gilt.

Sollte ein Abgang ausbleiben und Honorat im neuen System zu alter Stärke finden, ist er natürlich dennoch weiterhin ein Stammelf-Kandidat – dafür war er in den vergangenen Jahren insgesamt zu wichtig. Mohya ist im 4-2-3-1-System auch als Zehner einsetzbar oder kann auf der linken Seite agieren, sodass beide gemeinsam auflaufen können.

Linker Flügel: Robin Hack (27) | Alternative: Franck Honorat (30)
Genau wie Kleindienst wurde auch Unterschiedsspieler Hack in der vergangenen Saison verletzungsbedingt schmerzhaft vermisst – einer der Hauptgründe für den schwachen Auftritt der Borussia. Ist Hack fit, gibt es auf dem linken Flügel überhaupt keine Diskussionen: Er ist ein Gamechanger und belebt das Polanski-System im Alleingang. Plagen ihn aber wieder Verletzungsprobleme und rückt infolgedessen Honorat für ihn rein, würde Mohya wohl auf den linken Flügel wechseln.

Stoßstürmer: Tim Kleindienst (30)
Im Sturmzentrum führt kein Weg am Nationalstürmer vorbei. Kleindienst verpasste die abgelaufene Spielzeit fast komplett aufgrund von schweren Knieverletzungen, kann nun aber die gesamte Sommer-Vorbereitung voll durchziehen. Präsentiert sich der Routinier zum Saisonstart körperlich bei 100 Prozent, ist er als boxstarker, extrem torgefährlicher Zielspieler der absolute Fixpunkt im Angriff.

Zusätzlich haben die Fohlen Isac Lidberg vom SV Darmstadt verpflichtet, der zumindest während der ersten Spieltage noch in der Startelf stehen könnte, damit Kleindienst weiter behutsam aufgebaut werden kann. Der Schwede hat sich in der Vorbereitung in Torlaune gezeigt, wird Kleindienst aber nicht dauerhaft verdrängen, der sich in den Testspielen ebenso treffsicher zeigte.

Fazit


Nach einem sportlich extrem komplizierten Jahr – von Vereinspräsident Rainer Bonhof unmissverständlich als „Scheiß-Jahr“ betitelt – steht am Niederrhein ein Neuanfang an. Unabhängig von der Formation muss Polanski vor allem an den Grundtugenden ansetzen. Gladbach wirkte in der abgelaufenen Saison schlicht nicht widerstandsfähig genug, spulte zu wenig Kilometer ab und gewann deutlich zu wenige Zweikämpfe. Das soll und muss sich jetzt durch die Neuausrichtung des Kaders ändern.

Eine Baustelle könnte sich bei der Borussia möglicherweise noch im Tor ergeben: Der Verbleib von Nicolas ist wahrscheinlich, aber nicht hundertprozentig klar. Sollte er gehen, muss Schröder auf dem Transfermarkt wohl eine neue Nummer eins finden – mit dem erfahrenen Batz als verlässlichem Backup hat man sich aber immerhin schon einmal gut abgesichert.

Abseits des Tores machen die Kader-Verschiebungen jedoch Mut: Auf den Außenbahnen bringen die Neuzugänge Konoplya und Herold deutlich mehr Power und Physis auf den Platz – ein guter Move für das neue System. Im Zentrum stößt mit Leopold ein Mittelfeldspieler zum Team, der als tiefer Spielmacher genau das fehlende Verbindungsglied zwischen Abwehr und Angriff werden könnte.

Die größten Hoffnungen ruhen derweil auf der Offensive: Wenn die beiden Unterschiedsspieler Hack und Kleindienst nach ihren Verletzungssorgen voll einschlagen, sorgt das für einen massiven Qualitätsanstieg im Angriff. In diesem Setting findet dann auch Super-Talent Mohya die perfekten Bedingungen vor, um weiter zu reifen. Das Fundament für eine weitaus erfolgreichere Saison ist gelegt.

Wir freuen uns über eure Unterstützung


Uns ist zum Schluss aber wichtig zu betonen: Was wir hier aufschreiben, ist nicht in Stein gemeißelt, sondern die perfekte Grundlage für den Austausch mit euch. Die beste Prognose entsteht bei LigaInsider immer im Zusammenspiel zwischen Redaktion und Community. Wir haben eure Meinungen und euer Feedback permanent auf dem Schirm und lassen eure Argumente ganz bewusst in unsere Prognosen mit einfließen. Daher seid jetzt ihr gefragt: Wie seht ihr die neue Fohlen-Elf? Schreibt uns eure Meinung und eure Aufstellungsvarianten gerne unten in die Kommentare!

Du kennst dich nicht nur bestens rund um den Verein aus, sondern analysierst das Geschehen auf dem Platz quasi auch rund um die Uhr? Dann melde dich gerne bei uns und bewirb dich als Experte unter folgender E-Mail: „experte@ligainsider.de“. Sollte es matchen, winkt dir ein Status-Upgrade in der App. Mit einem Vereinsbadge ausgestattet, könnten zum Beispiel Beiträge von dir direkt unter den Aufstellungen hervorgehoben werden.

Übersicht aller weiteren Team-Checks:
Top-Elf-Prognose: FC Bayern München im Check
Top-Elf-Prognose: Borussia Dortmund im Check
Top-Elf-Prognose: RB Leipzig im Check
Top-Elf-Prognose: VfB Stuttgart im Check
Top-Elf-Prognose: TSG Hoffenheim im Check
Top-Elf-Prognose: Bayer 04 Leverkusen im Check
Top-Elf-Prognose: SC Freiburg im Check
Top-Elf-Prognose: Eintracht Frankfurt im Check
Top-Elf-Prognose: FC Augsburg im Check
Top-Elf-Prognose: 1. FSV Mainz 05 im Check
Top-Elf-Prognose: 1. FC Union Berlin im Check
Top-Elf-Prognose: Hamburger SV im Check
Top-Elf-Prognose: 1. FC Köln im Check
Top-Elf-Prognose: SV Werder Bremen im Check
Top-Elf-Prognose: FC Schalke 04 im Check
Top-Elf-Prognose: SV Elversberg im Check
Top-Elf-Prognose: SC Paderborn im Check